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Start von Passepartout III digi

23. August 2009

Stratosphärenballons lieben schönes Wetter – besonders, wenn Sie darauf programmiert sind, Videoaufnahmen von ihrer Reise zu machen und als Funkkontakt zu fungieren. Am ursprünglich vorgesehenen Starttag hatte sich allerdings eine Schlechtwetterfront angekündigt...

Bereits am Freitag davor hatte das Ballon-Team mit den Vorbereitungen vor Ort begonnen. Auf dem Dach des Lustbühel Observatoriums in Graz wurden Antennen aufgebaut, Fallschirm mit Radarreflektor verknüpft, die Elektronik getestet, Verfolgerfahrzeuge ausgerüstet, die Flaschen mit dem Helium bereit gestellt und letzte Hand an die wertvolle Fracht von „Passepartout III digi“ gelegt. Die Wettervorhersage für Samstag verhieß allerdings Gewitter und starke Höhenwinde. Projektleiter Harald Fauland entschied daher, den Start auf Sonntag, den 23. August zu verlegen.
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Grazer Lustbühel

Sonntag: Bereits um 8 Uhr früh versammelt sich das Team unter einem fast wolkenlosen Himmel. Das Befüllen des Ballons dauert eine gute Stunde und wird unter einer Plastikplane durchgeführt – eine Vorgehensweise, die sich bewährt hat. Denn man muss diese große Heliumblase schon sehr gut festhalten, um zu verhindern, dass sie ohne ihre Nutzlast abhebt.

Ist der Ballon gefüllt, werden zunächst der Fallschirm und der Radarreflektor befestigt. Ersterer sorgt für eine sanfte Landung, letzterer dafür, dass der Ballon laufend per Radar geortet werden kann. Auch dieses Mal hat sich das Österreichische Bundesheer freundlicherweise bereit erklärt, Passepartout auf seiner Reise zu (ver)folgen.

Projektleiter Stellvertreter Michael Taraba wirft noch prüfende Blicke auf die elektronischen Innereien der Gondel, aktiviert die letzten Schalter und befestigt das rosa Styropor-Kunstwerk etwa 10 Meter unterhalb des Radarreflektors am Ballon.
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Passepartouts Landung in
20 Meter Höhe

“Passepartout III digi” ist eine rein technische Mission, auf der neue Flughardware und verbesserte Recovery Systeme getestet werden sollen. Außerdem ist ein “digipeater” mit an Bord, der Kurzmitteilungen (APRS Format) von Amateurfunkern wiederholen kann. Es ist das erste Mal, dass ein satellitengestütztes Positionsmeldesystem für eines der Recovery Systeme benutzt wird (Globalstar Satellites).

Diese Mission wird vom ÖWF in Zusammenarbeit mit dem Österr. Versuchssenderverband (ÖVSV), dem Observatorium Lustbühel und dem Österr. Bundesheer durchgeführt. Um 9 Uhr 25 wird die Startfreigabe erteilt und unser Stratosphären-Ballon hebt ab. Kurz darauf machen sich zwei Verfolgerteams auf die Jagd. Das Missions-Kontrollzentrum koordiniert die Suche. Die GPSDaten der Gondel und die Radar Messungen des Bundesheers liefern ein sehr konkretes Bild vom Flug des Ballons.

Er erreicht 31.100 km Höhe und platzt um 11:30. Gegen 12:15 informiert das MCC die Suchteams, dass Passepartout in Slowenien gelandet ist - irgendwo zwischen Savci und Ormoz an der kroatischen Grenze. Aber selbst mit den richtigen GPS-Koordinaten dauert es fast zwei Stunden, die Gondel zu erreichen, denn zuerst muss man die passende Straße finden, die zum Ziel führt.

Schließlich treffen wir in dem Wäldchen bei Vicanci ein, welches das MCC-Team bereits seit Mittag auf dem Bildschirm hat – mit Hilfe von Google Earth. Mit einem Peilsender machen wir uns auf die Suche und orten die Gondel samt Fallschirm und Radarreflektor schließlich auf einem 20 Meter hohen Baum – genau wie letztes Mal! Damals war guter Rat teuer, aber diesmal ist das Operations- Team ist für solche Szenarien gerüstet. Mit freundlicher Unterstützung der gesamten Anrainer- Familie, die über unser rosa Paket in luftiger Höhe nicht schlecht staunen, werden Teleskopstangen bis zu einer Länge von 10 Metern miteinander verschraubt bzw. verklebt, dann wird am Ende ein Messer fixiert. Für die restlichen 10 Meter leihen uns die Nachbarn eine extra lange Leiter.

Nach zwei vergeblichen Versuchen bekommen wir noch eine Sichel spendiert, mit der Rudolf Albrecht die Reepschnur erfolgreich los schneiden kann. Passepartout vollendet seine Reise auf dem Waldboden, bleibt aber unversehrt. Die Einladung zum Kaffee nehmen wir dankend an und präsentieren dabei gleich den Film, welchen die Videokamera der Gondel von ihrem Flug gemacht hat. Anlass genug für die Tochter des Hauses, praktischerweise Radiomoderatorin, unseren mutigen Gondelretter zum ÖWF zu interviewen. So ist Passepartout nicht nur erfolgreich geflogen sondern auch noch in Slowenien berühmt geworden!

Mehr Bilder

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Befüllung

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Befüllung von außen gesehen

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Projektleiter Michael Taraba
prüft mit kritischem Blick die Nutzlast


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Letzte Startvorbereitungen

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Los gehts

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Passepartout III digi fliegt


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Flugbahn

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Peilung von Passepartout
durch Harald Fauland

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Bergung in 20 Meter Höhe


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Erfolgreiche Bergung

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Rudi Albrecht gibt Privatradio
ein Interview


Veranstaltungstipps

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    Wo: Graz, genauer Treffpunkt wird rechtzeitig bekannt gegeben

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